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Physician Assistants
in der Arztpraxis

Aufgaben abgrenzen. Ärztliche Verantwortung organisieren. Risiken früh erkennen.

Vor der Einstellung: die Praxis prüfen

IHR ERSTER SCHRITT

Physician Assistants können entlasten. Ob ihr Einsatz zu Ihrer Praxis passt, hängt von den vorgesehenen Aufgaben, der individuellen Qualifikation und den tatsächlich verfügbaren ärztlichen Kontrollmöglichkeiten ab.

Klären Sie vorab:

• Welche Leistungen, Patientengruppen und Standorte sind betroffen?

• Wer ordnet an, beantwortet Rückfragen und übernimmt die Vertretung?

• Welche praktischen Kompetenzen sind nachgewiesen?

• Sind Zeit für Supervision und ein verlässlicher Notfallweg vorhanden?

Das Ergebnis sollte ein konkretes Aufgabenprofil sein. Ein Studienabschluss oder eine fremde Muster-Stellenbeschreibung ersetzt diese Prüfung nicht.

Delegation braucht klare Grenzen

AUFGABEN UND VERANTWORTUNG

Physician Assistants arbeiten im ärztlich geleiteten Team. Nach dem Positionspapier der Bundesärztekammer übernehmen sie geeignete Aufgaben im Rahmen der Delegation und unter ärztlicher Supervision.

Für die vertragsärztliche Versorgung beschreibt Anlage 24 zum BMV-Ä zusätzlich Anforderungen an Auswahl, Anleitung und Überwachung. Höchstpersönliche ärztliche Entscheidungen dürfen nicht durch die Praxisorganisation faktisch verlagert werden.

Prüfen Sie deshalb jede vorgesehene Tätigkeit: Was ist übertragbar? Welche Einzelfallanordnung ist nötig? Wann muss der Arzt selbst übernehmen? Vorbereitende Arbeitsschritte sind von der ärztlichen Kernentscheidung zu unterscheiden.

Vertrag und Kompetenzmatrix abstimmen

KLARHEIT FÜR LEITUNG UND TEAM

Arbeitsvertrag, Stellenbeschreibung und tatsächliche Tätigkeit müssen zusammenpassen. Halten Sie für jede übertragene Aufgabe fest:

• erforderliche Qualifikation und dokumentierte Einweisung;

• Umfang der ärztlichen Anordnung und Kontrolle;

• zuständige Ärzte und Vertretungswege;

• Grenzen, Abbruchkriterien und Rücksprachepflichten;

• Dokumentation und Überprüfung der Freigabe.

Die Kompetenzmatrix unterscheidet standardisiert übertragbare Aufgaben, Tätigkeiten mit ärztlicher Einzelfallanordnung und ausgeschlossene Aufgaben. Bei neuen Leistungen, Geräten oder personellen Änderungen ist sie erneut zu prüfen.

Supervision muss im Alltag funktionieren

PRAXISORGANISATION UND NACHWEIS

Eine unterschriebene SOP allein schafft noch keine funktionierende Aufsicht. Planen Sie feste Rückfragemöglichkeiten, ärztliche Erreichbarkeit, Vertretungen und nachvollziehbare Kontrollen ein.

Wichtig sind klare Warnzeichen und Eskalationswege: Wann wird die Tätigkeit unterbrochen? Wer entscheidet? Wie wird eine ärztliche Beurteilung erreicht?

Gleichen Sie außerdem die tatsächliche Leistungserbringung mit Dokumentation und Abrechnung ab. Zugriffsrechte im Praxissystem müssen zu den zugewiesenen Aufgaben passen. Erkennbar bleiben sollte, wer angeordnet, ausgeführt und kontrolliert hat.

Nach einem Zwischenfall geordnet handeln

VERSORGUNG SICHERN · SACHVERHALT KLÄREN

Die medizinische Versorgung hat Vorrang. Sichern Sie anschließend die Originalunterlagen und klären Sie die beteiligten Personen, Anordnungen und Zuständigkeiten.

• Unterlagen und elektronische Daten unverändert erhalten.

• Nachträgliche Ergänzungen eindeutig kenntlich machen.

• Zeitablauf und tatsächlich ausgeübte Supervision rekonstruieren.

• Versicherungsbedingungen und notwendige Meldungen prüfen.

• Erklärungen gegenüber Behörden und anderen Stellen rechtlich abstimmen.

Ein Zwischenfall beweist noch keine Pflichtverletzung. Entscheidend sind der konkrete Ablauf, die jeweiligen Verantwortlichkeiten und eine belastbare Tatsachengrundlage.

Beratung, die Ihre Praxis abbildet

MEDIZINRECHT UND STRAFRECHT ZUSAMMEN DENKEN

Ich unterstütze Arztpraxen und MVZ bei der rechtlichen Gestaltung des PA-Einsatzes: von der Risikoanalyse über Arbeitsvertrag und Kompetenzmatrix bis zu SOPs, Schulung und der Begleitung bei Auffälligkeiten.

Der Ablauf: Zunächst klären wir Ihre Ausgangslage und den Beratungsumfang. Danach prüfen wir die vorhandenen Vorgaben und gelebten Abläufe. Daraus entstehen priorisierte Maßnahmen für Ihre konkrete Praxis.

Für die erste Besprechung hilfreich: Aufgabenliste, vorhandene Verträge und SOPs, Qualifikationsnachweise, Angaben zu Standorten und ärztlicher Erreichbarkeit. Patientenbezogene Unterlagen stimmen wir gesondert ab.

Grundlagen zum Nachlesen

QUELLEN UND WEITERE ORIENTIERUNG

Die wichtigsten Grundlagen sind das Positionspapier der Bundesärztekammer zum Berufsbild Physician Assistance (April 2025) und die Delegationsvereinbarung in Anlage 24 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte.

Sie helfen bei der Einordnung des Berufsbilds und der Anforderungen an Delegation. Die konkrete Aufgabe, Qualifikation und Versorgungssituation müssen zusätzlich geprüft werden.

Für eine umfassendere Betrachtung Ihrer Praxisorganisation finden Sie auf der Seite Compliance & Prävention sieben weitere Risikofelder und den Praxis-Compliance-Check.

Bundesärztekammer: Physician Assistance (PDF)

KBV: Anlage 24 – Delegation (PDF)

Compliance & Prävention

Ihr Ansprechpartner: Matthias Klein

FACHANWALT FÜR MEDIZINRECHT UND FÜR STRAFRECHT

Ich verbinde Medizinrecht und Strafverteidigung. Als Fachanwalt in beiden Bereichen berate ich Arztpraxen und MVZ zu rechtlichen Risiken in Abrechnung, Delegation und Organisation – mit Blick auf den Praxisalltag und den möglichen Ernstfall.

Sie möchten Verantwortlichkeiten klären oder einen auffälligen Ablauf prüfen lassen? Schildern Sie Ihr Anliegen vertraulich. Gemeinsam klären wir die nächsten sinnvollen Schritte.

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