Strafrecht / Strafverteidigung

Von rund 4,9 Millionen eingeleiteten Ermittlungsverfahren endeten im Jahr 2019 rund 20% mit einer Anklage vor Gericht. Mehr als 80% aller Anklagen endeten mit einer strafrechtlichen Verurteilung. Erstmals wurden damit mehr Personen wegen Straftaten rechtskräftig verurteilt als im jeweiligen Vorjahr. Jeden Kontakt mit der Strafjustiz sollten Sie daher unbedingt ernst nehmen, auch wenn er Ihnen noch so falsch erscheint. Die Rechtslage kann komplex sein. Und die Konsequenzen einer Verurteilung sind hart. Keinesfalls sollten Sie dem verständlichen Impuls nachgeben, sich gegenüber Ermittlern rechtfertigen zu wollen. Denn Sie wissen nicht, was die Gegenseite zu wissen glaubt. Ermittlungen finden ohne Ihr Wissen statt. Heimlich. Der Gesetzgeber der Strafprozessordnung hat im 19. Jahrhundert dem Ermittlungsverfahren keinen belastenden Charakter beigemessen. Es war von der Idee getragen, dass Ermittler untersuchen sollten, ob ausreichende Beweise für eine mögliche Hauptverhandlung vor Gericht vorliegen. Heute ist dies ganz anders. Allein die Existenz eines Ermittlungsverfahrens ist für viele Menschen eine unerträgliche Belastung, weil es auf viele Lebensbereiche ausstrahlt: Beruf, Familie und Gesellschaft. 

Wenn Sie also - sei es durch Vorladung, Durchsuchung, Anklage, Strafbefehl oder gar Festnahme - von Ermittlungen gegen Sie erfahren, hat die Polizei bereits im Dunkeln gegen Sie ermittelt. Sie wissen in dem Moment nicht, welche Beweise gegen Sie vorliegen. Und auf welche Erkenntnisse sich die gegen Sie erhobenen Vorwürfe stützen. Bei spontanen Äußerungen gegenüber Ermittlern oder bei Vernehmungen werden Sie sich in Widersprüche verwickeln. Fangfragen, die man Ihnen stellt, werden Sie nicht erkennen und sich dadurch selbst belasten. Daher ist existenziell wichtig: Schweigen Sie! Aus Ihrem Schweigen kann Ihnen strafprozessual niemals ein Nachteil erwachsen. Aus ihrem Reden schon. 

Ein guter Strafverteidiger hilft Ihnen jetzt. Er sagt Vernehmungen ab und beschafft Ihnen zunächst alle Informationen, die Sie jetzt brauchen. Und die Ihnen bislang vorenthalten worden sind. Er steht uneingeschränkt auf Ihrer Seite. Egal, was Ihnen vorgeworfen wird.

 

"Aus Sicht der Verteidigung geht nicht um Schuld, sondern um die Frage, ob die Beweise ausreichen, um jemanden zu verurteilen. Das ist etwas völlig anderes."

 

Daher arbeitet der Strafverteidiger von Anfang an darauf hin, dem Staatsanwalt zu verdeutlichen, dass und warum die Beweise für eine Anklage oder die Beantragung eines Strafbefehls nicht ausreichen oder nicht rechtmäßig erlangt worden sind. Er zeigt Widersprüche in Zeugenaussagen und Gutachten auf und prüft, ob Beweise rechtswidrig erhoben worden sind. Dann sind diese nicht verwertbar: Wahrheitsfindung um jeden Preis darf es im Rechtsstaat nicht geben. 

Ein guter Strafverteidiger muss Fingerspitzengefühl haben. Er muss herausfinden, ob das, was der Zeuge gesehen oder gehört haben will, der Wirklichkeit entspricht oder nur ein Fantasiegebilde ist. Er muss in der Lage sein, zu “durchfühlen”, warum der Zeuge bei der Polizei einmal so, vor Gericht aber anders ausgesagt hat. Er muss von der Justiz in Auftrag gegebene Gutachten haarklein sezieren, Widersprüche aufzudecken und Zweifel zu säen. Von dieser Fähigkeit zur Analyse hängt nicht selten der Ausgang des Verfahrens ab. Der Einfluss von Gutachtern auf die Strafjustiz ist ganz erheblich. Gerade bei der Befragung von Zeugen und Gutachtern zeigt sich, was ein Verteidiger wirklich kann. Eine einzige Frage an einen Zeugen, ein kurzer, geschickt formulierter Antrag kann wichtiger sein, als ruheloses Agieren vor Gericht. Weniger ist also manchmal mehr. Dies gilt insbesondere bei der Befragung von Belastungszeugen. Der Verteidiger muss herausfinden, ob ein Mensch sich mutmaßlich in einer Situation, wie sie der Zeuge gerade dargestellt hat, so benimmt, wie der Zeuge behauptet. Die Kunst dabei ist, den Zeugen nicht erkennen zu lassen, wohin die Reise geht. Denn nur so kann der Verteidiger erwarten, auch von einem böswilligen Zeugen Antworten zu bekommen, die die Darstellung, die dieser Zeuge gegeben hat, innerlich unwahrscheinlich machen. 

Ein guter Strafverteidiger muss konfliktfähig sein. Sein Beruf verträgt keine Selbstzweifel. Das Schlimmste ist, wenn sich ein Anwalt unter Druck setzen lassen und sein Selbstbewusstsein verliert. Auch wenn vor Gericht rauer Gegenwind herrscht, muss er die Interessen seiner Mandanten mit Biss und Schlagfertigkeit im richtigen Moment durchsetzen. Dies reicht bis an die Grenze des rechtlich Zulässigen: Alles, was ein Verteidiger sagt, muss zwar wahr sein. Er darf aber nicht alles sagen, was wahr ist.

 

Ein guter Strafverteidiger muss viel mehr können, als Recht und Gesetz. Er muss Prozesse verstehen, die im menschlichen Gehirn ablaufen, das eine Entscheidung treffen soll. Den Kampf ums Recht muss er  am Ende noch nicht einmal gewinnen: Es reicht, wenn dem Richter Zweifel kommen. Dann muss er freisprechen. Ein guter Strafverteidiger muss muss daher die Mittel der modernen Psychologie beherrschen und einsetzen. Verteidigung ist Kommunikation. Nur wer die Psychologie der Kommunikation beherrscht, kann effektiv verteidigen. Verteidigung ist parteilich. Verteidiger sind ausschließlich den Interessen des Mandanten verpflichtet. Und diese Interessen müssen in den Kopf des Richters gelangen. Es ist Aufgabe moderner Strafverteidigung, dem Richter nicht nur die eigene Sicht zu präsentieren, sondern den Prozess der richterlichen Urteilsbildung nachzuvollziehen und zu beeinflussen.

 

Wenn Sie mehr erfahren wollen, was moderne Strafverteidigung heute bewirken kann und was dies mit Psychologie zu tun hat, lesen Sie meinen Fachbeitrag, den Sie als PDF herunterladen können. Klicken Sie dazu unten auf das PDF-Symbol. 

Als Beschuldigter haben das Recht, sich jederzeit und in jeder Lage des Verfahrens eines Anwalts zu bedienen. Erfolg im Strafrecht beginnt mit der Wahl des richtigen Anwalts. 

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„Exzellenter Strafverteidiger mit ausgezeichnetem Gespür für das Wesentliche“