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Mit dem Zweiten sieht man besser. Ein Plädoyer für die Zweitmeinung.

Mit dem Zweiten sieht man besser. Dieser Wahlspruch des ZDF gilt auch bei der Auswahl Ihres Strafverteidigers: Haben Sie Zweifel, ob Ihr Anwalt was taugt, holen Sie sich eine Zweitmeinung ein, bevor der Richter das Urteil verkündet. Für effektive Strafverteidigung ist es nie zu früh, aber oft zu spät.


Manchmal kommen Menschen zu mir, die den Glauben verloren haben. Den Glauben an die Justiz. Aber auch den Glauben an den bisherigen Anwalt und dessen Fähigkeiten.


Erst, wenn der Richter die Haftstrafe verkündet ist, fragen sich viele Mandanten, warum der eigene Anwalt zuvor einen “glatten Freispruch” prophezeit hat. Zwar ist man im Strafprozess am Ende immer dem Richter ausgeliefert.


Es gibt Warnzeichen für schlechte Verteidigung, die man kennen sollte

Immer wieder erlebe ich, dass Mandanten die eigene Ermittlungsakte nicht kennen. Sie sind dann ganz erstaunt, wie umfangreich diese ist. Das ist ein absolutes No-Go. Jeder Beschuldigte hat das Recht, über seinen Verteidiger Einsicht in die eigene Akte zu nehmen. Nur so erfährt er, was gegen ihn vorliegt, welcher Zeuge wie gegen ihn ausgesagt hat. Jeder Verteidiger hat daher Pflicht, den Inhalt der Ermittlungsakte mit seinem Mandanten in allen Einzelheiten zu besprechen.


Aktenkenntnis ist das Fundament jeder Strafverteidigung, die ihren Namen verdient.

Spätestens dann also , wenn Ihnen der Anwalt, dessen Vorschuss Sie gerade bezahlt haben, mit den Worten verabschiedet: “Wir sehen uns dann vor Gericht”, sollten Sie sich schleunigst das Weite suchen, wenn sie nicht direkt im Knast landen wollen. Effektive Strafverteidigung geht anders.


Und was, wenn plötzlich die Handschellen klicken und man Ihnen einen Mord anhängen will? Denken Sie daran:


Nur weil Sie einen Strafverteidiger in Ihren Kontakten haben, machen Sie sich nicht verdächtig.

Rufen Sie ihn - und nur ihn und nicht Ihren Mietrechtler - an, wenn Sie nach Ihrer Festnahme nur noch ein mal telefonieren dürfen. Sonst setzt Ihnen der Haftrichter einen Anwalt als Pflichtverteidiger vor die Nase. Manche Richter wählen hier nur Anwälte aus, die einen kurzen Prozess garantieren. Kurze Prozesse machen dem Richter nämlich weniger Arbeit. Wenn Ihnen Ihr Ausgewählter also noch beim Haftrichter zum Geständnis rät, sollten Sie sofort schweigen und der Beiordnung dieses Anwalts nicht zustimmen. Verlangen Sie nach einem Fachanwalt für Strafrecht.


Denken Sie daran: Mit dem Zweiten sieht man besser. Schauen Sie sich die Visitenkarte Ihres Anwalts immer sehr genau an. Fragen Sie ihn, ob und wie viel Erfahrung er mit Strafrecht hat. Auch wenn Sie ihn schon lange kennen. Er mag in seinem Rechtsgebiete eine Eins sein. Ein guter Strafverteidiger ist er nicht.


Wenn Ihnen eine Herzoperation droht, fragen Sie ja auch nicht Ihren Zahnarzt. Ganz genau so ist das also mit der Strafverteidigung.

Denken Sie daran: Sie haben das Recht, auf effektive Verteidigung. Machen Sie davon Gebrauch. Engagieren Sie jemanden, der sich damit auskennt. Und wenn Sie glauben, dass sich Ihr derzeitiger Anwalt nicht auskennt und kein Spezialist in Strafsachen ist: Holen Sie sich eine Zweitmeinung ein.


Mandat kommt von Vertrauen. Einem Anwalt, der nicht alle Mittel für Sie in Bewegung setzt, die ihm als Verteidiger zur Verfügung stehen, sollten Sie das Mandat entziehen.

Es ist nie zu früh für effektive Strafverteidigung. Aber oft zu spät.


Denken Sie daran: Mit dem Zweiten sieht man besser. Dieser Wahlspruch des ZDF gilt auch bei der Auswahl Ihres Strafverteidigers.


Weitere Informationen über das, was einen guten Verteidiger ausmacht, finden Sie hier: https://www.prontopro.de/blog/die-kunst-der-verteidigung/


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