© Matthias Klein 2020

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Der Strafverteidiger als Einzelspezialist

Matthias Klein ist #Fachanwalt für #Strafrecht und erfahrener #Strafverteidiger. Im Interview verrät er seine besten Tipps für alle Beschuldigten, die Probleme mit #Polizei und #Justiz haben und erklärt, warum sich auch #Zeugen und #Opfer einer Straftat unbedingt anwaltlich vertreten lassen sollten.


1.

Mit welchen Anliegen kommen Mandanten zu Ihnen?


Als Fachanwalt für Strafrecht bin ich in allen Gebieten des Strafrechts und in jedem Stadium des Strafverfahrens bundesweit tätig. Ich vertrete Beschuldigte einer Straftat im allgemeinen Strafrecht, aber auch z. B. im Wirtschaftsstrafrecht (z. B. bei Vorwürfen wegen Betrugs, Untreue, Urkundenfälschung), bei Drogen- und Waffendelikten, bei Vorwürfen im Sexualstrafrecht oder bei Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit (z. B. Körperverletzung) oder das Leben (Mord, Totschlag). Ein Spezialgebiet ist das Medizinstrafrecht als Schnittstelle zwischen Medizinrecht und Strafrecht.

Ich bin einer der wenigen Anwälte in Deutschland mit Doppelqualifikation als Fachanwalt für Strafrecht und Fachanwalt für Medizinrecht. Wenn Patienten vermuten, dass sie oder ihre Angehörigen Opfer eines Behandlungsfehlers geworden sind, kann ich für Aufklärung des Sachverhalts sorgen. Fälle im Arzthaftungsrecht haben nicht selten eine strafrechtliche Dimension.


2.

Was macht aus einem Rechtsanwalt für Strafrecht einen guten Verteidiger?


Auf Seiten der Beschuldigten einer Straftat ist es die Aufgabe eines Anwalts für Strafrecht, so früh wie möglich eine effektive Verteidigungsstrategie aufzubauen. Entscheidend dabei ist, ob die Beweise ausreichen, den Beschuldigten zu verurteilen. Daher arbeitet der Anwalt als Strafverteidiger von Anfang an darauf hin, dem Staatsanwalt zu verdeutlichen, dass und warum die Beweise für die Beantragung eines Strafbefehls nicht ausreichen oder z. B. nicht rechtmäßig erlangt worden sind. Dann sind die Beweise nämlich prozessual nicht verwertbar.


Erst durch Einschalten eines Verteidigers erhält der Beschuldigte Einsicht in seine eigene Ermittlungsakte. Der Verteidiger sorgt somit für Waffengleichheit. Der Wissensstand der Verteidigung muss immer gleich sein mit dem der Anklage. Das alles ist ein komplexer Prozess und erfordert viel konzentrierte Arbeit.


Ein guter Strafverteidiger sichert ein faires Verfahren, stellt entlastende Beweisanträge und zeigt Widersprüche in Zeugenaussagen auf.

Er gewährleistet die bestmögliche Verteidigung des Beschuldigten schon im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft und erwirkt im Strafverfahren vor Gericht im optimalen Fall einen Freispruch.


3.

Was sollten Beschuldigte in einem Strafverfahren auf gar keinen Fall tun?


Ganz klar: Nicht aussagen! Ein Beschuldigter sollte auf keinen Fall bei der Polizei reden. In einem Strafverfahren können Beschuldigte selbst nichts ausrichten.


Wie sprechen Beschuldigte am besten mit der Polizei? Gar nicht!

In dieser Situation entscheidet über das weitere Verfahren alles, was ein Beschuldigter sagt – also jedes einzelne Wort. Alles gegenüber der Polizei Gesagte kann und wird gegen Sie verwendet werden. Daher ist Schweigen die wichtigste Grundregel.


Alles, was Sie gegenüber den Ermittlern sagen, kann und wird gegen Sie verwendet werden. Sagen Sie auch dann nichts, wenn Sie glauben, unschuldig zu sein. Schweigen Sie und verlangen Sie nach einem Strafverteidiger.

Schweigen ist ein Grundrecht und auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention ebenso verankert wie das Recht auf effektive Verteidigung durch einen erfahrenen Anwalt. Alles, was sie ihm sagen, bleibt unter vier Augen. Ein Strafverteidiger ist allein den Interessen des Beschuldigten verpflichtet und arbeitet ausschließlich in dessen Sinne. Ganz wichtig: Der Beschuldigte einer Straftat soll auch dann schweigen, wenn er glaubt, unschuldig zu sein. Denn die Polizei wird ihm, wenn er redet, Fragen stellen. Und oft sind dies Fangfragen. Und dann verwickelt man sich, ohne dass man es merkt, in Widersprüche. Prozessual kann Schweigen niemals gegen den Beschuldigten verwendet werden. Das Gesagte hingegen schon. „Der Beschuldigte einer Straftat soll auch dann schweigen, wenn er glaubt, unschuldig zu sein. Prozessual kann Schweigen niemals gegen den Beschuldigten verwendet werden. Das Gesagte hingegen schon.“


4.

Welche Fähigkeiten braucht ein guter Strafverteidiger und was kann er bewirken?


Ein guter Verteidiger muss im richtigen Moment angreifen und schweigen können.

Er muss alle Beweise der Staatsanwaltschaft sehr genau prüfen. Er muss insbesondere bei Zeugen herausfinden, ob ein Mensch sich in der dargestellten Situation mutmaßlich so benimmt, wie der Zeuge der Anklage behauptet. Die Kunst dabei ist, den Zeugen bei der Vernehmung nicht erkennen zu lassen, wohin die Reise geht. Denn nur so kann der Verteidiger erwarten, auch von einem böswilligen Zeugen Antworten zu bekommen, die dessen Darstellung in sich unwahrscheinlich machen.


Dazu braucht es eine sehr gute Kenntnis in Aussage- und Vernehmungspsychologie.


Ein guter Verteidiger muss das Unerhörte zu Gehör bringen.

Er muss den Zeugen unbequeme Fragen stellen, auch wenn der Richter meint, dies sei nicht nötig. Deshalb verträgt der Beruf eines Verteidigers keine Selbstzweifel.


Der Beruf eines Verteidigers verträgt keine Selbstzweifel.

Das Schlimmste ist, wenn sich ein Rechtsanwalt im Strafrecht unter Druck setzen lässt und sein Selbstbewusstsein verliert. Auch wenn vor Gericht rauer Gegenwind herrscht, muss er die Interessen seiner Mandanten mit Biss und Schlagfertigkeit im richtigen Moment durchsetzen. Denn nur diesen ist er verpflichtet. Dies reicht bis an die Grenze des rechtlich Zulässigen: Alles, was ein Verteidiger sagt, muss wahr sein. Er darf aber nicht alles sagen, was wahr ist.


5.

Wie wichtig ist es für Mandanten im Strafrecht, eine unabhängige Zweitmeinung eines erfahrenen Verteidigers zu erhalten?


In vielen Fällen berate ich Mandanten, die bereits einen Anwalt mit ihrem Fall betraut haben, auch im Hintergrund. Online geht das natürlich unkompliziert und schnell. Manchmal unternehmen KollegInnen als „Pflichtverteidiger“ keine großen Anstrengungen oder sind mit der Verteidigung schlicht überfordert, weil sie nicht genügend Erfahrung haben.


Der „Hausanwalt“, den man in Scheidungs- oder Mietsachen gerne aufsucht, mag auf seinem Gebiet sehr kompetent sein, ein guter Verteidiger ist er jedoch selten. Denn dazu gehört nicht nur Fachwissen, sondern jahrelange Erfahrung.


In anderen Fällen bezweifeln Mandanten, ob ihr bisheriger Anwalt den nötigen „Drive“ oder „Biss“ hat, um ihre Interessen optimal durchzusetzen.

Dann komme ich ins Spiel. Ich berate die Mandanten immer ergebnisneutral. Ich lasse mir alle relevanten Dokumente zeigen und studiere die Ermittlungsakte. Ich sage ihnen dann genau, was in ihrem Fall getan werden muss oder zu tun gewesen wäre.


Manchmal führt dies dazu, dass ich das Mandat dann übernehme. Manchmal aber auch nicht. Denn ein Anwaltswechsel will immer gut überlegt sein. Oft verstehen die Mandanten meine Beratung aber auch als eine Art „Notausgang“, denn sie wissen meist nicht, dass sie das Mandat mit ihrem Anwalt jederzeit ohne Angaben von Gründen kündigen können und dass ein Beschuldigter / Angeklagter sogar bis zu drei Verteidiger haben darf.





Lesen Sie das vollständige Interview hier: https://www.advocado.de/rechtsanwalt/anwalt-strafrecht.html